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REPLIKATIONSSTUDIE
Hohe Prävalenz von Aspirationen bei Geriatrischen Patienten mit Dysphagie
M. Blonder, P. Pluschinski, K. Weil
In einer Replikationsstudie wurde untersucht, ob sich die hohe Prävalenz von Aspirationen bei Patienten am Otto-Fricke-Krankenhaus im Zeitraum von 2000 bis 2006 geändert hat. Es konnte erneut eine sehr hohe Prävalenz von stillen Aspirationen bei Patienten mit Dysphagie in der stationären Geriatrie nachgewiesen werden.

Replikationsstudie
(Poster, PDF)
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Forschung
   
Hohe Prävalenz von Aspirationen bei geriatrischen
Patienten mit neurogener Dysphagie

M. Blonder, S. Dienlin, A. Hofmayer, K. Weil


Fragestellung

Es sollte die Prävalenz von Aspirationen bei geriatrischen Patienten mit neurogener Dysphagie untersucht werden.

Methodik

Es wurden, im Zeitraum vom 01.01.2000 bis 15.07.2000, 64 geriatrische Patienten mit klinisch manifester neurogener Dysphagie, zu Beginn der stationären Rehabehandlung in unserer Klinik instrumentell untersucht.
Grundlage für die Indikationsstellung der apparativen Farbschluckanalyse war das Ergebnis der klinischen Untersuchung (der Muskelfunktionen, der Sensibilität und der Atemwegsprotektion). Als apparative Suchmethode wurde die transnasale Fiberskopie eingesetzt (Bronchoskop Olympus BF 3C30 / Blickwinkel 120° geradeaus, Arbeitslänge 55cm, Außendurchmesser des distalen Endes 3,5mm). Der Untersuchungsablauf umfaßte die Ruhebeobachtung und die Funktionsprüfung mit Konsistenzen (halbflüssig/flüssig/fest) vom Velopharynx bis zum Larynx. Die strukturierte Befunderhebung erfolgte mit Hilfe von Videoaufzeichnungen.
Die Ergebnisse der klinischen und der apparativen Untersuchungen wurden miteinander verglichen.

Ergebnisse
  Das mittlere Alter der Untersuchten betrug 77,3 Jahre. Es fand sich kein signifikanter Altersunterschied zwischen Patienten mit und ohne Aspiration.
  95,3% Patienten (n=61) wurden aus einer Akutklinik übernommen, nur 4,7% (n=3) der Patienten wurden vom Hausarzt überwiesen.
  Die Dysphagie war zum Zeitpunkt der Aufnahme nur bei 43,8% (n=28) aller Untersuchten bekannt.
  Die funktionelle Fiberskopie ergab bei 95,3% (n=61) der Patienten einen auffälligen Befund (Retention, Penetration, Aspiration). 48,4% (n=31) der Patienten wiesen eine Aspiration auf, wobei der Anteil der stillen Form 54,8% (n=17) der endoskopisch gesicherten Aspirationen betrug. Bei 36,7% (n=18) der Untersuchten mit klinischem Verdacht auf eine Aspiration konnte endoskopisch keine Aspiration festgestellt werden. Bezüglich Aspirationskonsistenzen fand sich keine Übereinstimmung in 61,3% (n=19) der Fälle.
  Die Verteilung der endoskopisch gesicherten Aspirationen nach Diagnose gestaltete sich wie folgt: Hirninfarkt 71% (n=22), Multiinfarkt 16,1% (n=5), Hirnblutung 6,5% (n=2), M. Parkinson 6,5% (n=2).
  Das mittlere Zeitintervall in Tagen zwischen Ereignis und instrumenteller Untersuchung (ausgenommern Parkinsonpatienten) lag bei 51 Tagen, bei Patienten mit Aspiration bei 61 Tagen, bei Patienten ohne Aspiration bei 42 Tagen.
  87,1% (n=27) der Patienten mit instrumentell gesicherter Aspiration erhielten eine perorale Ernährung bis zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme bei uns.
  Der mittlere (median) Barthel-Index bei Aufnahme in unserer Klinik lag unabhängig vom Schweregrad der Dysphagie bei 10 Punkten.
  Die Therapie-Empfehlungen bei allen untersuchten Patienten wurden folgenden Gruppen zugeordnet, wobei Mehrfachnennungen möglich waren: Ernährung non peroral 28,1 % (n=18 ), PEG-Indikation 18,8% n(=12), Schluckdiät 56,3 % (n=36 ), Kostaufbau 6,3 % (n=4 ), Vollkost 6,3 % (n=4 ), funktionelle Therapie 75,0 % (n=48 ).

Schlußfolgerungen

  Es konnte eine sehr hohe Prävalenz von Aspirationen bei geriatrischen Patienten mit neurogener Dysphagie während der geriatrischen Rehabehandlung nachgewiesen werden. Der Anteil der stillen Aspirationen war hoch.
  Die klinische Untersuchung lieferte eine hohe Zahl an falsch positiven Ergebnissen bezüglich Aspiration, sie war nicht geeignet zur Identifizierung der Aspirationskonsistenzen.
  Die Dysphagie war zum Zeitpunkt der Übernahme bei den meisten Patienten nicht bekannt oder in den Verlegungsunterlagen nicht mitgeteilt worden.
  Patienten mit und ohne Aspiration unterschieden sich nicht hinsichtlich der zugrundeliegenden Diagnosen.
  Die instrumentell gesicherte Aspiration führte nicht automatisch zu einer non peroralen Ernährung, sondern zu einer differenzierten und individuell angepassten Therapie.
  Der Einsatz der transnasalen Fiberendoskopie sollte bereits früh in der Akutklinik und nicht erst in späten Phasen der Rehabilitation erfolgen, um schwerwiegende Komplikationen von Dysphagien zu vermeiden.


Literatur

1. Bartolome, G.; Buchholz, D.W.; Feussner, H.; Hannig, Ch. et al. (1999). Schluckstörungen. Diagnostik und Rehabilitation. München / Jena: Urban & Fischer
2. Karnell, M.P. (1994). Videoendoskopy from Velopharynx to Larynx. Clinical Competence Series San Diego, California: Singular Publishing
3. Mann, G.; Hankey, G.J.; Cameron, D. (1999). Swallowing Funktion After Stroke. Prognosis and Prognostic Factors at 6 Month. Stroke 30
4. Murray, J. (1999). Manual of Dysphagia Assessement in Adults. San Diego: Singular Publishing
5. Stanschus, S. (2000). Videofluoroskopie und diätetische Maßnahmen bei Dysphagie. Forum Logopädie: Heft 3 (14)